Was Stress mit Zitronen zu tun hat

Die negativen Folgen der Epoche der Aufklärung

Wir glauben doch tatsächlich, alles ist rational erklärbar. Daher hat auch alles einen Ursprung. Ergo: Irgendwer ist Schuld! Und meistens sind das die anderen. Der Idiot, der den Stau verursacht. Die Rückmeldung vom Kollegen, die man doch gebraucht hätte für eine pünktliche Abgabe. Die anderen, die einen nicht verstehen wollen.

Folglich kommt auch unser Stress von außen. Glaubst du nicht? Natürlich! Wer will denn schon gestresst sein? Das machen also nicht wir selber. Das zwingt uns jemand von außen auf! Richtig! Richtig?

Die Wahrheit ist: Sehr selten kommt unser Stress wirklich von außen. Denn selten stehen wir noch einem Mammut oder einem Löwen gegenüber. Und wenn, dann ist er ausgestopft oder hinter sehr dicken Gittern.

In unserem Leben geht es selten um unser Leben. Im physischen Sinne jedenfalls. Und wenn es nicht die Physis ist, was dann? Der Weg ist kurz: Es ist unsere Psyche.

Denn in unserem Gehirn geht es ständig um unser Leben: „Wenn ich diese Aufgabe ablehne, dann feuert mich mein Chef. Dann verdiene ich kein Geld mehr. Dann werde ich arbeitslos. Und weil ich so schlecht bin finde ich keinen Arbeitsplatz. Und dann kriege ich Hartz V. Und dann werde ich fett, trage nur noch Polyester und rauche Kette. Und dann sterbe ich früh. Das habe ich neulich erst in diesem Fernsehen gesehen!“

Das klingt übertrieben? Dann hinterfrage mal, warum so viele Menschen Angst vor der Arbeitslosigkeit haben statt sich über die freie Zeit zu freuen.

Na gut, ein bisschen übertrieben ist es vielleicht doch… Aber das es nur ein bisschen übertrieben ist, das probieren wir mal aus! Du kennst doch das Experiment, dir mal ganze intensiv eine Zitrone vorzustellen. Wie sie aussieht, so schön gelb. Wie du sie in die Hand nimmst, an ihr riechst. Diese Frische! Dann schneidest du sie auf. Der Saft läuft schon heraus, steigt dir sauer in die Nase. Nun führst du sie zum Mund. Die Säure kitzelt dich in der Nase, bevor du herzhaft hinein beisst…

Na, schon Speichel im Mund? Hast du sogar dein Gesicht verzogen? Das geht den meisten so. Und so kämpfen wir in jeder Stresssituation um unser Leben, zumindest in unseren Gedanken.

Das, was wir gemeinhin als Ratio bezeichnen – die Fähigkeit zu Logik, das Sprechen, all diese Errungenschaften – das übernimmt nur unsere Großhirnrinde. Die ist je nach Region 2-5 mm dick und umschließt das, was wir üblicherweise als Gehirn bezeichnen. Der ganze große Teil übernimmt den Rest. Und das, wo wir uns doch so viel auf unsere Ratio einbilden. Und dem entsprechend schlecht läuft das ganze. Unser Gehirn kann nämlich nicht unterscheiden zwischen Fiktion und Realität. Alles, was wir unserem Bewusstsein durch Imagination irgendwelcher Szenarien einpflanzen hält das Unterbewusstsein für Realität! Und handelt danach! Denn die meisten Dinge erledigt nicht unser Bewusstsein. Auch wenn uns das die Aufklärung so weiß machen will. Und so einfach ist das mit der selbsterfüllenden Prophezeiung.

Glaubst du mir nicht? Auch dazu gibt es ein tolles Experiment, wie deine Gedanken deinen Körper und dein Verhalten beeinflussen – den Carpenter Effekt.

Als wir noch nicht dank unserer Gesellschaft dem Irrtum aufgesessen sind, dass unsere Gedanken nur Gedanken sind und nicht materielles daraus wird, gingen die Menschen noch vorsichtiger damit um. Gott sieht alles und kennt auch meine Gedanken! – so der Ansatz. Wer nichts für Gott über hat, der versuche es mit einer Religion ohne Gott:

 

„Du wirst morgen sein, was Du heute denkst“

Buddha